Yoga und mentale Gesundheit
Zum World Mental Health Day am 10. Oktober
Wenn wir an Yoga denken, haben wir häufig zuerst die körperliche Praxis vor Augen. Wir denken an Beweglichkeit, Kraft, fließende Bewegungen und vielleicht an das angenehme Gefühl nach einer Yogastunde.
Doch Yoga kann weit mehr sein als körperliches Training.
Die Verbindung von Bewegung, Atmung und bewusster Wahrnehmung kann uns dabei unterstützen, zur Ruhe zu kommen, Anspannung besser wahrzunehmen und wieder mehr in Kontakt mit uns selbst zu kommen.
Gerade in einem Alltag, in dem wir häufig nur noch funktionieren, ist das ein wertvoller Aspekt unserer mentalen Gesundheit.
Warum Körper und Geist nicht getrennt voneinander funktionieren
Vielleicht kennst du das: Ein voller Terminkalender, viele Gedanken im Kopf, ständig etwas zu erledigen. Und obwohl du dich abends endlich hinsetzt, fällt es dir schwer, wirklich abzuschalten.
Stress findet nicht nur in unseren Gedanken statt. Wir können ihn auch körperlich wahrnehmen: durch verspannte Schultern, einen flachen Atem, innere Unruhe oder das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen.
Genau hier kann Yoga ansetzen.
Wenn wir uns bewusst bewegen, unseren Atem wahrnehmen und die Aufmerksamkeit immer wieder zurück in den Körper bringen, entsteht die Möglichkeit, aus dem ständigen Gedankenkarussell auszusteigen.
Das bedeutet nicht, dass nach einer Yogastunde alle Probleme verschwunden sind. Aber wir können lernen, bewusster mit Anspannung umzugehen und wahrzunehmen, was uns gerade guttut.
Was Yoga für unsere mentale Gesundheit tun kann
Yoga verbindet verschiedene Elemente, die sich gegenseitig ergänzen.
Bewegung kann helfen, Spannungen abzubauen. Eine kraftvolle, fließende Yogapraxis fordert uns körperlich, bringt uns in Bewegung und kann dabei unterstützen, den Kopf freier zu bekommen.
Bewusste Atmung kann uns helfen, zur Ruhe zu kommen. Wenn wir unseren Atem beobachten oder sanft beeinflussen, lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Ruhige Atemübungen können Entspannung unterstützen.
Entspannung schafft Raum für Regeneration. In ruhigen Yogahaltungen oder einer abschließenden Entspannungsphase müssen wir nichts leisten. Wir dürfen wahrnehmen, wie sich unser Körper anfühlt, und ihm Zeit geben, zur Ruhe zu kommen.
Selbstwahrnehmung hilft uns, unsere Bedürfnisse besser kennenzulernen. Vielleicht bemerken wir auf der Matte, dass wir erschöpft sind, obwohl wir uns den ganzen Tag eingeredet haben, noch genügend Energie zu haben. Oder wir spüren, wie wohltuend es ist, uns bewusst Zeit für uns selbst zu nehmen.
Nicht jede Yogastunde fühlt sich gleich an. Und nicht jede Praxis hat dieselbe Wirkung. Aber sowohl kraftvolle Bewegung als auch bewusste Ruhe können auf ihre eigene Weise wertvoll sein.
Es gab eine Zeit da habe ich meine Yogapraxis in Frage gestellt
Als ich vor vielen Jahren mit Yoga begann, wollte ich eigentlich nur beweglicher werden.
Dass mir die Praxis auch mental so guttun würde, hatte ich nicht erwartet. Ich wurde ausgeglichener, gelassener und begann, mich selbst bewusster wahrzunehmen.
Yoga begeisterte mich so sehr, dass ich schließlich selbst eine Ausbildung machte und anfing zu unterrichten.
Zeitweise gab ich neben meinem Hauptjob an fünf Abenden pro Woche Yogastunden. Dazu kamen zwei Kinder, Familie und Alltag.
Ich war richtig gut darin, vieles zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen und Erwartungen zu erfüllen.
Doch mit der Zeit wurde ich feinfühliger.
Durch meine Yogapraxis, aber auch durch viel eigene Reflexion, begann ich Dinge zu hinterfragen, die für mich lange selbstverständlich gewesen waren.
Dabei wurde mir immer deutlicher bewusst, dass mein damaliger Job nicht mehr zu meinen Werten und Bedürfnissen passte.
Und ganz ehrlich? Ich habe damals tatsächlich meine Yogapraxis infrage gestellt.
Nicht, weil sie mir nicht guttat. Sondern weil ich plötzlich Dinge wahrnahm, mit denen ich mich zunächst gar nicht auseinandersetzen wollte.
Irgendwann habe ich meinen Job gekündigt und andere berufliche Angebote abgelehnt. Diese Entscheidung war mit Unsicherheit verbunden, gleichzeitig aber auch unglaublich befreiend.
Doch die eigentliche Veränderung hatte schon früher begonnen: als ich anfing, meine eigenen Erwartungen an mich zu hinterfragen.
Was glaubte ich eigentlich alles leisten zu müssen? Wem wollte ich gerecht werden? Und wie viel Druck machte ich mir selbst?
Mit diesen Fragen beschäftige ich mich auch heute noch.
Selbstfürsorge bedeutet nicht nur, Stress besser auszuhalten
Wir sprechen häufig darüber, wie wir belastbarer werden können. Wie wir Stress reduzieren, gelassener reagieren und besser mit den Anforderungen unseres Alltags umgehen.
Das sind wichtige Fähigkeiten.
Aber manchmal lohnt sich auch die Frage, warum wir eigentlich glauben, all diesen Anforderungen gerecht werden zu müssen.
Mentale Gesundheit bedeutet für mich nicht nur, mit Stress besser umzugehen. Sondern auch, uns selbst und unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Das heißt nicht, dass wir unser Leben grundlegend verändern müssen, sobald wir etwas Unangenehmes wahrnehmen.
Manchmal ist eine bewusste Pause wertvoll. Manchmal tut es gut, sich körperlich auszupowern. Und manchmal erkennen wir, dass wir bestimmte Erwartungen oder Gewohnheiten hinterfragen möchten.
Yoga kann uns dabei unterstützen, einen besseren Zugang zu unserem eigenen Erleben zu finden. Welche Entscheidungen wir daraus ableiten, bleibt ganz individuell.
Yoga bei Riverflow: Kraftvolle Bewegung und bewusste Ruhe
Genau diese Verbindung ist mir in meinem Unterricht wichtig.
Yoga darf uns körperlich fordern, kräftigen und beweglicher machen. Eine dynamische Vinyasa-Praxis kann uns helfen, aus dem Kopf wieder mehr in den Körper zu kommen.
Genauso wertvoll sind die ruhigen Momente: bewusste Atmung, Entspannung und das Wahrnehmen dessen, was gerade da ist.
Es geht nicht darum, auf der Matte etwas beweisen zu müssen. Und auch nicht darum, nach jeder Yogastunde mit einer neuen Erkenntnis nach Hause zu gehen.
Jede Yogastunde kann auf ihre eigene Weise wertvoll sein.
Für mich ist Yoga deshalb nicht nur Bewegung oder Entspannung, sondern auch eine Möglichkeit, mir selbst immer wieder bewusster zu begegnen.
Gerade am World Mental Health Day möchte ich daran erinnern, dass wir unserer mentalen Gesundheit Aufmerksamkeit schenken dürfen – nicht erst dann, wenn wir merken, dass unsere Kräfte nachlassen.
Und dass es wertvoll ist, sich regelmäßig Zeit für sich selbst zu nehmen.
Von Herzen
Kathrin
Hinweis: Yoga kann das psychische Wohlbefinden unterstützen, ersetzt aber bei psychischen Erkrankungen keine professionelle medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.